Verkehrsprojekte in Südniedersachsen

4. März 2009 • Veröffentlicht von  • Schreibe einen Kommentar
Aufgrund verschiedener Anfragen (u.a. in unserem Forum) zu Medienberichten über einen „Ith-Tunnel“ nachfolgend die wesentlichen Informationen über die aktuellen niedersächsischen Verkehrsprojekte, welche die Erreichbarkeit von Klettergebieten oder diese womöglich sogar unmittelbar betreffen:

1. Ith-Tunnel (B 240)

Der Ith-Tunnel ist ein im Kreis Holzminden lang gehegter Traum. Die Gründe dafür liegen auf der Hand: Die allgemein schlechte Verkehrsanbindung des Landkreises, welche weitreichende, negative Konsequenzen für Wirtschaft und Unternehmen sowie die touristische Attraktivität hat. Hinsichtlich der verkehrlichen Anbindung rangiert der Kreis Holzminden mittlerweile an letzter Stelle – bundesweit. Des Weiteren sind die Ortschaften, durch die die Bundesstrasse 240 führt vom permanenten Durchfahrtsverkehr erheblich betroffen, so dass zwischen Holzminden und Elze mittlerweile 3 Bürgerinitiativen für Ortsumgehungen und Verbesserung der verkehrlichen Infrastruktur kämpfen.

Der Straßentunnel durch den Ith ist also nur ein Baustein in der angestrebten Verbesserung der Verkehrsanbindung. Übrigens legten in 2002 zwei Studenten des Fachbereichs Bauingenieurwesen der Fachhochschule Holzminden eine viel beachtete Diplomarbeit vor, die belegt, dass die Ith-Untertunnelung kein Traum bleiben muss, sondern realisierbar ist.

Das Ganze ist aber nicht einfach, denn zum einen handelt es sich um eine Bundesstrasse und für eine solche ist – wie der Name schon sagt – der Bund zuständig, der die Baukosten trägt. Zum anderen sind auch die Planungskosten für solche Projekte nicht gerade niedrig und diese müssen vom jeweiligen Kreis und dem Land Niedersachsen aufgebracht werden. Zum Dritten ist das Verfahren, von den ersten Planungen bis hin zur Realisierung überaus aufwändig und zeitintensiv. Nähere Information zum Verfahrensablauf bei www.strassenbau.niedersachsen.de.

Im Rahmen des Konjunkturpaketes II hat die Landesregierung Niedersachsen nun ein Aufstockungsprogramm für diverse (Leuchtturm-)Projekte in Höhe von 163,5 mio EUR aufgestellt und das Kabinett am 3. März über die Verteilung der landesweiten Konjunkturmittel entschieden. Unter diesen Projekten ist auch der Ith-Tunnel, für dessen Planungen 5 mio EUR bereitgestellt wurden. Die Landkreise HOL und HI müssen weitere 1,5 mio EUR selbst aufbringen.

Bis mit dem Bau der Maßnahme begonnen wird dürfte noch einige Zeit ins Land gehen. Für uns Kletterer und auch die Natur wäre der Ith-Tunnel positiv. Sorgt er doch für eine erhebliche akustische Beruhigung. Die heutige Überquerungsstraße würde zur Nebenstrecke werden und der Erholungswert steigen, denn der Tunnel würde unten am Waldrand in den Berg hinein und zwischen Capellenhagen und Fölziehausen wieder herausführen. Alternativ zum Tunnel wurde auch ein Ausbau der Ith-Überquerung diskutiert, dem aber wohl das FFH-Gebiet Ith und das frisch ausgewiesene Naturschutzgebiet Ith einen Strich durch die Rechnung machen dürfte, weil dann wegen zahlreicher Auflagen ungenügenden Kompromisse gemacht werden müssten oder das Ganze – aufgrund der damit verbundenen Eingriffe – gar nicht genehmigungsfähig wäre. Davon abgesehen, würde der Ausbau der bestehenden Straße nur eine geringfügige Verbesserung mit sich bringen, da wegen der Steilheit des Hanges nicht auf Serpentinen verzichtet werden könnte und im Winter die Straßenverhältnisse das Vorankommen wie gehabt erschweren.

2. Ortsumgehung Marienhagen (B 240)

Bereits im Februar 2009 sind in dem von der Landesregierung beschlossenen Nachtragshaushalt zusätzliche Mittel für einen beschleunigten Ausbau der vordringlichsten Projekte im Bereich der Bundesfernstraßen bereitgestellt worden, darunter Mittel für die konkreten Planungen der Ortsumgehung Marienhagen im Zuge der B 240.

Von dieser Umgehung könnte der Klettersport unmittelbar betroffen sein. Es hängt nur davon ab, welche der beiden Varianten zur Ausführung kommt, die nördliche oder die südliche Umgehung. Bei der nördlichen Umgehungsvariante ist nicht auszuschließen, dass der einzige „Techno-Steinbruch“ im Weser-Leine-Bergland seine Existenz einbüsst. „Ein Kampf um Rom“ wäre dann auch aus klettersportlicher Sicht Geschichte. Allerdings hat sich vor einigen Jahren das Rechnungsprüfungsamt gegen diese favorisierte Umgehungsvariante ausgesprochen.

3. Sonstige Verkehrsprojekte

Weserbergland

  • Ortsumgehung Coppenbrügge/Marienau (B 1): Nördliche Umfahrung der beiden Ortslagen
  • Nordostumgehung Eschershausen (B 240)
  • Ortsdurchfahrt Halle (B 240)

  • Südharz

  • Verlegung der B 243 zwischen Bad Lauterberg und Landesgrenze Thüringen
       (Ortsumgehung Barbis, Bartolfelde und Osterhagen)

  • Göttinger Wald

  • Ortsumgehung Waake (B 27): Nördliche Umfahrung der Ortslage
  • Für die Dauer der Baumaßnahmen sind also gewisse Verzögerungen bei der Anfahrt zu den Klettergebieten einzuplanen, dafür geht es nach Abschluss derselben um so schneller.

    Über den aktuellen Stand der Projekte informiert die Niedersächsische Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr (www.strassenbau.niedersachsen.de)

    Recherchen zum Thema „Ith-Tunnel“ bzw. den Ausbau der B 240 lassen sich mit eben diesen Stichworten trefflich im Online-Archiv des Täglichen Anzeiger Holzminden durchführen.

    Und noch ein kleines Schmankerl zum Schluss: Zu den Leuchtturm-Projekten Niedersachsens gehört auch der Ausbau der Harzer Schmalspurbahn vom Brocken nach Braunlage. Wenn es denn was wird, könnte man zukünftig per Dampflokbahn vom Wurmberg-Steinbruch zu den Schierker Feuersteinen fahren, oder umgekehrt, mit Zwischenstopp auf dem höchsten Berg des Harzes. Na, wenn das nichts ist.

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    Dieser Artikel wurde verfasst von Nik

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