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Altmeister Richard Goedeke über Klettern, Risiko, Absicherung und Verzicht

28. September 2016 • Veröffentlicht von  • 13 Kommentare

Liebe Leute,

bei der aktuellen Absicherungsdiskussion in der Folge der Unfälle im Frankenjura und Zirkus scheint mir viel von der Einstellung im Spiel zu sein,

1. dass draußen wie Halle sein möge. Ist es nicht, weil draußen viel komplexer.

2. dass jeder/jede einen Anspruch darauf hat, die Tour die er sich wünscht auch klettern zu können. Auch dann wenn er/sie sie nicht sicher, d.h. souverän klettern kann. Souverän bedeutet so, dass man das eigentlich auch solo klettern könnte. Oder zumindest auch aus der Kletterstellung sichere (!) mobile Sicherungen anzubringen. Sowas gibt es neben unsicheren durchaus. Aber natürlich gehört dazu, so sicher zu klettern, dass man sich dazu an der Stelle lange genug aufhalten kann, um das in Ruhe gut zu prüfen und dann zu machen.

3. Wenn das mit Herstellen von perfekter Sicherung nicht gelingt, dann darf nicht auf Sturz geklettert werden. Punkt. Wer das nicht respektiert, der/die riskiert tatsächlich viel oder sogar alles. Das ist der Unterschied zur Halle. Punkt.

4. Bei der Erkenntnis, dass die Route uns aktuell überfordert, ist ein Verzicht fällig und nötig! Ich weiß, dazu ist Selbstdisziplin nötig. Aber wer ohne Selbstdisziplin zu klettern anfängt, lebt nicht lange! Verzicht ist nicht Schwäche, sondern Stärke, denn er zeigt tatsächliche Souveränität! Noch eine schöne Sache beim Verzicht: Man kann ja später, wenn man besser ist, wiederkommen.

5. All das sind elementare Regeln eines überlebbaren Alpinkletterns. Und eben auch in klein im Klettergarten. Wenn wir unsere Klettergärten wie Hallen ausrüsten würden, dann verschieben wir nur das Problem: Dann könnte niemand zu Hause einen verantwortlichen vorsichtigen Umgang mit nicht vorgekautem Gelände einüben und ist anderswo, vielleicht in einem Gebiet mit nicht ganz perfekten Absicherungen, vielleicht auch im Gebirge, ein armes Schwein.

Und mal ehrlich: Wollt ihr alle immer nur auf kleinklein klettern? Und nie über eine richtig große Felsstruktur?

Dazu gehört dann aber auch noch eine andere Einstellung: Solche größeren Touren kann man nicht einüben, sondern die gehen eigentlich nur on sight!

Wenn wir das überleben wollen, müssen wir vorsichtig rangehen. Das heißt nur soweit, wie wir es souverän können. Und ansonsten besser verzichten. Und sowas sollte man auch zu Hause einüben können. Siehe oben.

Noch was zur Einstellung: Durchschaut den Zahlenfetischismus! Nicht wie schwierige Routen wir bewältigen, sondern wie wir das bewältigen, was wir klettern ist wichtig. Eine schwierige Tour, die wir uns nur hinauf trauen, weil sie labormäßig abgesichert ist, haben wir uns doch hochgelogen! Genauso wie eine Route, bei der uns schon vorher ein anderer – oder eine App – die Griffe erklärt…  Und schon ganz und gar können wir sie nie on sight klettern, wenn wir sie vorher toprope auswendig gelernt haben.

Unbekannt, on sight, und nicht perfekt zu sichern ist schon ein Dreier und Vierer schwierig! Schon ganz und gar im Gebirge, wo das über Hunderte von Metern geht und wir auch nicht jede Stelle optimal erkennen können. Und Fünfer und Sechser erst recht. Aber wenn wir sowas schaffen, noch dazu in den Zeitfenstern, die das Wetter bietet, dann sind wir doch die Könige!

Deshalb: Bitte respektiert die Routen, die für euch zu anspruchsvoll sind, sei es weil sie zu schwierig sind oder zu schwierig zu sichern.

Für nachträglichen BH kann ich Ausnahmen nur sehen bei Stellen mit mürben Sanduhren und vielleicht auch an nicht mobil absicherbaren Stellen, die durch Politur schwieriger geworden sind.

Ich wünsche euch immer die richtige Balance zwischen Etwas-Wagen und Verzicht!

Richard

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Dieser Artikel wurde verfasst von Axel Hake

13 Kommentare

  • gut gesagt! Danke Richard

  • Rainer Oebicke sagte mal beim Keile-Seminar: was du am besten lernen musst, ist der Rückzug. Sonst wirst du in diesem Sport vielleicht nicht so alt.

    Dazu bereit sein, bedeutet sicherer zu klettern. Dann verneige ich mich halt mit Respekt vor der Tour und erkenne meine Grenzen. Da kann ich daran arbeiten und wieder kommen. Ich trage Verantwortung für mein Überleben beim Klettern und niemand sonst.

    Von der Welt zu fordern, daß andere immer alles präventiv auf meine sehr begrenzte Kompetenz hin absichern – das ist doch das ultimative Eingeständnis des egozentrischen armen Würstchens.

  • Ich stimme grundsätzlich mit der Haltung überein. In Bezug auf die Kletterunfälle, insbesondere dem mit dem Ausbrechen der Sanduhren sei folgendes anzumerken:

    Auch wenn man den Grad beherrscht und eine mobile Sicherung (wie eine Sanduhr) als sicher einschätzt, ist ein Sturz möglich. Wenn dann die Sanduhren ausbrechen, ist das entweder eine Fehleinschätzung der Sicherungen und zum anderen das letzte Risiko des Vergnügens.

    Ob bei den Unfällen, eine Überschätzung des Könnens oder es in den Fähigkeiten des Kletterers lag weiß ich nicht. Bei dem einen war es, wenn ich mich richtig erinnere, ein Sturz in der Route (Überschätzung oder Fehleinschätzung der Sicherung) und bei dem anderen ein Ablassen im Top-Rope (Fehleinschätzung der natürlichen Sicherung). Auf jeden Fall ist es ein Teil des kalkulierbaren Risiko unseres Vergnügens, oder?!

  • D’accord. Die eigentliche Sicherheit entspringt dem Kletterer selbst.
    Gleichzeitig zu theoretisch: Vielfach ist es dann, wenn der Überforderte erkennt, dass ein Rückzug, der Verzicht, die bessere Option wäre, schon zu spät und er kann nur noch … Augen zu und durch. „Überlebt“ dann mehr durch Glück als durch Können: „Gegen Ende einer in widerlich prasselndem Tropfwasser völlig ohne Zwischen-sicherungen ausgegangenen Seillänge brach mir dann ein als sicher eingeschätzter Untergriff aus und auch der andere Griff gab nach.“ Der Autor dieser Zeilen rettete sich mit einem unkontrollierten Dynamo vor dem fälligen 60m Sturz in den schlechten Stand.
    Jeder von uns hat schon mehr als einmal seinen Schutzengel strapaziert. Muss aber das norddeutsche Klettern IMMER Abenteuerklettern sein? Ich denke, dass die Neulinge auch einen „Anspruch“ auf einigermaßen abgesicherte Routen haben, die gibt es trotz einiger Nachbohrungen von Hansi z.T. immer noch zu wenig. Nicht jeder will stets nur unter Einsatz seines Lebens Klettern und an halbgaren Keilen und Schlingen den Umlenker erreichen, weil es gar keine Alternative gibt. Gefährlich sind da meist die Routen von 3-6. Ab 7. Grad findet man fast immer vorbildlich Abgesichertes. In den Neunern kann man den ersten Haken sogar häufig vom Boden klippen: z.B. Leider geil, Erytrochophobie oder Kellox… Da ist ein ziemliches Ungleichgewicht.
    Zu Till Lustenberger – andere pauschal als „egozentrische arme Würstchen“ zu qualifizieren , na ja…
    Und bei Rudolf: Es gibt kein kalkulierbares Risiko, es ist immer unkalkulierbar, sonst wäre es keins…rozik / rizq (pers./arab.) = von Gottes Gnade/Schicksal abhängend…

  • Olli spricht uns aus der Seele. Wie sollen wir besser werden, wenn die Routen in unsererm Leistungsgrad gar nicht oder sehr, sehr spärlich abgesichert sind. Ist für uns Anfänger eine 3, 4 oder 5 nicht ähnlich wie für die Geübten eine 6,7 oder 8? Wieso müssen wir dafür ein größeres Risiko eingehen und bei den ersten Versuchen draußen den Umgang mit mobilen Sicherungen beherrschen. Wir können überwiegend leider nur in der Halle Erfahrungen im Vorstieg machen. Aber draußen ist eben viel komplexer!

  • Sehr geehrter Herr Goedeke,

    vielen Dank für Ihren Kommentar zur Sicherungssituation.
    In einigen Punkten gebe ich Ihnen vollkommen Recht. Das zwischen Hallen- und Felsklettern ein immenser Unterschied liegt ist nicht von der Hand zu weisen. Auch die Tatsache, dass man bei unsicherer Absicherung nicht auf Sturz klettern darf sollte jedem Kletterer mit gesunden Menschenverstand einleuchten.
    Bezüglich des alpinen Stils kann Ich Ihnen auch vollsten zustimmen, dennoch vernachlässigen Sie meiner Meinung nach die Entwicklung die unser Sport in den letzten dreißig Jahren genommen hat. Wo früher noch alpin interessierte Kletterer die Mittelgebirge zum Üben für die großen Wände der Alpen genutzt haben, hat sich spätestens seit Wolfgang Güllichs Zeiten das reine Sportklettern immer weiter etabliert. Sowohl in der Halle als auch am Fels. Ein Großteil der heutigen Kletterer haben also gar nicht mehr den Anspruch eine alpine Route zu klettern. Somit ergibt sich auch keine Notwendigkeit hierfür möglichst realitätsnah zu trainieren. Vielmehr sehe Ich, dass sich der moderne Klettersport in weiten Teilen durch Kletterei an der Sturzgrenze definiert, denn ohne wäre ein Fortschritt im Kletterkönnen nicht möglich. Action Directe wurde nunmal auch nicht on sight geklettert. Und ich würde nicht sagen, dass sich nur einer der Kletterer, welcher diese Route bisher geschafft hat, da „hochgelogen“ hat. Dieser Entwicklung wird in den meisten Gebieten in den oberen Schwierigkeitsgraden (meist ab 7 UIAA) durch eine gute Absicherung genüge getan.
    Nun klettern aber nunmal nicht alle Menschen in dieser Liga. Vor allem Anfänger und Leute mit weniger Ambitionen haben ihre Grenze häufig im fünften oder sechsten Grad. Aber auch diese Leute haben ein Anrecht darauf sicher klettern zu können. Dabei will ich nicht behaupten, dass die Routen wie in der Halle ausgestattet werden müssen. Wo mobile Sicherungen gut und sicher zu legen sind, sollten Sie nicht durch Haken ersetzt werden. Häufig ist dies jedoch leider nicht der Fall. Und hier verschließt sich eine solche Einstellung wie Ihre dem Fortschritt im Können derer, die eben nicht UIAA 7 und aufwärts klettern. Denn wer eben immer nur 5 klettert, weil er sich wegen der Absicherung nicht in eine 6 einzusteigen traut, wird es auch nicht in den siebten Grad schaffen. Zumindest nicht, wenn diese Person versuchen die Balance zwischen Etwas-wagen und Verzicht finden wollen und trotzdem ihr klettertechnisches Können am Fels nach oben verschieben wollen.
    Wir sollten nun allerdings nicht losrennen und alle Routen mit Haken vollballern. Eine Route mit alpinem Charakter (z.B. im Süntel) sollte diesen auch weiterhin beibehalten. Aber vor allem bei Neutouren und zu sanierenden Routen, welche diesen Charakter eben nicht aufweisen, sollte in der Absicherung der unteren Schwierigkeitsgrade der Entwicklung unseres Sport genüge getan werden. Denn „Jeder Erschließer muss sich bewusst sein, dass er mit dem Einrichten einer Route eine potentielle Gefahrenquelle schafft und dafür zu einem gewissen Grad die Verantwortung trägt.“ (DAV Bohrhaken Broschüre)

  • ich habe Richards Text gelesen, die ganze Zeit dabei genickt und den Zusammenhang zu fehlenden oder nicht fehlenden Bohrhaken erst im letzten Absatz realisiert. die ewige Haken-Diskussion mal aussen vor, müßten wir uns doch alle einig sein über die beschriebene Art, sich dem Fels respektvoll zu nähern, oder?

    zu den Haken in leichten Routen: als Anfänger vom 3./4. Grad kommend hat derjenige 2 nahezu völlig unabhängige Lernkurven vor sich: 1) sich selbst sichern zu lernen; den Fels zu lesen und die nötigen Techniken und Werkzeuge zu beherrschen. und 2) das persönliche Leistungslimit zu steigern und die Grade nach oben zu wandern.

    der Fortschritt unter 2) ist sicher für die meisten motivierender. leider ist 1) wichtiger und die Voraussetzung dafür, die Steigerung der eigenen Kletterfähigkeit auch zu überleben.

    wenn jetzt von Grad 3 an alles eingebohrt ist, gibt es zu wenig Motivation für Einsteiger, sich jemals mit der Sicherungs-Problematik auseinander zu setzen. man kann sich nahtlos bis in den 7./8. Grad steigern, ohne je gelernt zu haben, was dazugehört, sich wirklich sicher am Fels zu bewegen. nichts ist gefährlicher, als Kletterer, die von physischen Bewegungsvermögen im 8. Grad angekommen sind, aber immer noch überhaupt nichts über Sicherungstechnik gelernt haben.

    jetzt stellt sich angesichts der Sportkletterrouten in einfachen Graden halt die Frage, was wichtiger ist: sind diese Routen ein Mittel, um schnell den 5. und 6. Grad zu erreichen oder eine Umgebung, in der man ohne physische Überforderung ideal das setzen eigener Sicherungen lernen kann? bevor es in den Schwierigkeiten weiter geht…

    erfahrungsgemäß sind die meisten nicht motiviert, Keile zu legen, wenn schon BH genügend vor Ort sind. egal, in welchem Grad.

    und wenn einem das gleichzeitige Klettern draussen und selber Sicherungen legen immer noch zu wackelig ist, dann kann man sich zusätzlich ein Toprope einhängen lassen, um das Sichern ohne Risiko zu üben. auf keinen Fall sollte ein „im 3./4. Grad Keile legen zu müssen ist mir zu nervig/schwierig/gefährlich“ zu der Idee führen, dort Bohrhaken zu fordern – wo will ich denn sonst jemals lernen, Keile sicher zu setzen? im 5.Grad? im 7.? die einzige Chance, das nicht gleich am Leistungslimit üben zu müssen, ist doch, gleich zu Beginn damit anzufangen.

  • Ich stimmer Richards Tenor zu und habe auch eine gute Begründung dazu: Es ist meine Pflicht, meine Aktivitäten am Fels so auszuführen, dass meine Sicherheit gewährleistet ist. Wenn ich dazu Haken oder Umlenker der Einrichter nutzen kann, so habe ich denen für den schönen Klettertag zu danken. Auf gar keinen Fall darf ich erwarten, dass jemand beim Einrichten einer Route an alle denkt, die diese Route später gehen. Er weiß ja gar nicht was ich kann und wie er die Route dafür sicher genug machen kann. So haben wir zum Glück von allem, von gut gesicherten Sportkletterrouten bis schlecht gesicherten Linien, die man sich zutraut oder eben nicht. Diejenigen von uns, die immer optimale Sicherungen brauchen, sollen sich an Dienstleister wenden und dafür bezahlen. Die, die draußen klettern wollen, müssen mit dem zurechtkommen, was sie vorfinden.
    Schlußendlich muß sich jeder bewußt sein, dass es 2 Schwierigkeitsgrade gibt, der den ich bei Laborbedingungen und mit optimaler Absicherung erreichen kann und der für draußen. Ich bin nach einem Jahr in der Halle 7er geklettert und finde draußen immer noch 5er in die ich mich nicht oder noch nicht hineintraue und das ist so gut.

  • Ich habe das Gefühl, dass die Disskusion um die Sicherheit von Routen, gerade im Bezug auf die BH sehr schwarz/weiß geführt wird.
    Als gebe es nur die beiden Möglichkeiten Kletterhallen-ähnlich oder Lebensgefährlich Routen einzubohren.
    Ich bin der Meinung, dass der traditionelle alpine Still, in dem einige Routen hier im Norden geklettert werden können unbedingt erhalten bleiben muss. Das bedeutet jedoch nicht, dass Anängern am Fels das Leben schwerer als nötig gemacht werden muss. Es gibt in meinen Augen verschiedene Wege als Kompromiss. So können bspw. einige Klassiker in ihrer ursprünglichen Form der Begehung erhalten bleiben und einige Routen ebenso nachsaniert werden. Nachsanieren muss dann immer noch nicht bedeuten, dass die Route wie in der Halle, alle 1,5m mit einem Hacken versehen wird. An dieser Stelle gilt es sich auch in Gedächtnis zu rufen, dass grade Routen im 3. und 4. Grad nicht zwangsläufig sicherer werden, nur weil sie viele BH enthalten. Wenn eine Route nunmal sehr viele Bänder, Stufen und/oder Traversen enthält, bleibt die Gefahr im Falle eines Falles trotz BH groß, irgendwo anzuschlagen. Eine Route, die dann durch viele BH verlockend wirkt, ist in diesem Fall sogar gefährlicher als wenn nur strategisch wichtige Stellen gebohrt sind.

    Ich finde, dass wir hier im Norden auf einem sehr guten Weg sind. Die Haken-Komission macht sehr gute Arbeit und das Repartoire an Routen ist sehr vielfältig. Es gibt einige cleane Routen und auch Einiges an dem sich Fels-Neulinge versuchen können und dabei einen nachsichtigen Kletterstil erlernen und trotzdem nicht ihr Leben riskieren müssen.
    Wenn sich die Unfälle häufen wird die Ursache häufig auf die (fehlenden) BH geschoben. Die Unfallanalysen zeigen jedoch häufig eine ganze Palette an anderen Gründen. Falsche Sicherungstechnik, Überschätzung des eigenen Könnens, falsch angewendetes Material, falsches Einbinden etc.

    Unfälle sollten vor allem präventiv, durch gute Ausbildung vermieden werden. Diese ist in Vereinen und Sektionen auch für wenig Geld zu haben. Ich hatte das Glück die ersten Male am Fels von erfahrenen Felskletterern begleitet zu werden. Für zu großmütige Versuche gab es keine abfälligen Blicke, sondern Hilfe bzw. Tips beim abklettern und ggf. dabei, dass teure Sicherungsmaterial zu bergen. Das hat mir wahrscheinlich eher geholfen, mir nicht beide Ohren zu brechen, als wenn die Routen lediglich viele BH beinhaltet hätten.

  • Ich schließe mich dem Kommentar von Olli an. An unseren heimischen Felsen übt doch keiner mehr für die Alpen?! Man will hier Sportklettern und nicht alle paar Meter nach einer optimalen Stelle für Sicherungsmaterial suchen müssen. Mit Klettern hat das hier doch in vielen Routen im 4. – 6. Grad nichts mehr zu tun. Der Kletterfluss ist stets unterbrochen. Wie Olli schon schrieb. Ab dem 7. Grad kannst Du alle paar Meter deine Exe am Bohrhaken klippen. Jede Sanduhr kann ausbrechen und wenn ihr ehrlich seit, fliegen auch viele der gelegten Keile beim übersteigen wieder raus. Viele Routen werden gar nicht geklettert, weil es keine Bohrhaken oder Stellen im Fels gibt, in denen man eine Sicherung legen kann. Das ist schade und hier sollte Nachsaniert werden. Fragt doch die Leute, die die Routen erschlossen haben. Hansi hat die Zeichen der Zeit erkannt und gehandelt. Früher gab es auch keine Autos mit Sicherheitsgurten! Und hört doch mal auf, das draußen klettern mit dem Hallenklettern zu vergleichen. Hier geht es darum, dass man den heutigen Ansprüchen des Klettersports draußen gerecht wird und sinnvoll nachsaniert. Jeder verunglückte Kletterer ist einer zu viel und das hat man in der Fränkischen Schweiz erkannt und gehandelt. Außerdem findet man auch nicht immer jemanden, der einem mal eben das Seil einhängt. Keiner will draußen in allen Routen alle zwei Meter einen Bohrhaken, aber wo man nichts legen kann, sollte einer rein. Und ich hoffe, dass die Hakenkommission nicht nur aus Kletterern besteht, die ab dem 7. Grad draußen unterwegs sind. Ich kann aus gesundheitlichen Gründen hier nicht mehr aktiv werden, wünsche mir aber ein gesundes Mischverhältnis aus jungen und alten Hakenkommissionsmitgliedern, damit draußen alle Freude am Klettersport haben und wieder gesund nach Hause fahren können. Draußen Klettern ist im Jahr 2016 eben mittlerweile ein Massensport geworden und das sollten auch die erkennen, die immer noch in der guten alten Zeit leben.

  • „Es gefällt mir nicht“ und „ich kann damit nicht umgehen“, sind unserer Meinung nach keine Argumentationen, andere dazu anzuhalten, alle Kletterrouten in Norddeutschland an die Vorstellungen der Sportkletterer, die gerne Indoor-Verhältnisse nach außen transportieren wollen, anzupassen.
    Klettern ist mit Sicherheit ein Massensport geworden. Aber so lange es keinen Investor mit Gewinnhoffnung gibt, braucht man sich weder Hoffnung noch Sorgen zu machen, dass aus den Felsen Massensportgeräte werden. Richard und Gerrit haben es schön beschrieben, wie man sich dem Trad- oder Clean-Climbing nähert und es sicher betreibt. Das müssen wir nicht noch mal wiederholen. Wir kennen kein anderes Gebiet, in dem man so vielseitig klettern kann wie an den Norddeutschen Felsen. Wir haben beides und wollen beides in Norddeutschland: gutgesicherte Routen in jedem Schwierigkeitsgrad und Routen, die traditionell abgesichert sind.

  • Ich freue mich über die vielen und vielseitigen Kommentare zu meinem Beitrag. Mich befremdet allerdings, dass da einige aus ihrer eigenen Setzung, nur zum Sportklettern und gar nicht ins Gebirge zu wollen, ableiten wollen, dass nun alle unsere Felsen eingerichtet werden sollten. Lasst doch die Vielfalt bestehen! Auch die sich mit großer Auswahl an Routen auch an trad und an Gebirge heranzutasten! Mir geht es nicht darum jemandem Risiko aufzwingen oder es leugnen. Der Verzicht ist immer möglich. Und schließlich habe ich selber schon ganz früh an der Falterwand die nicht verlässlich absicherbare Stelle mit einem Bohrhaken versehen. Oder den sehr mickrigen Schlaghaken in der Hühnerstallkante ersetzt. Und wenn wir uns wirklich irgendwo nicht hochwagen und verzichten, das ist doch interessant. Als Anreiz besser zu werden oder auch zum Akzeptieren, dass wir alle nicht alles kriegen können.

    Das wichtigste bleibt allemal, wenn überhaupt erst dann auf Sturz zu gehen, wenn verlässliche Sicherung gegeben ist.

    Und Olli – zum dem Zitat aus meinem „Spagat“, das war doch nichts, was in diese Diskussion passt, sondern eine verrückte Ausnahmesituation, Restrisiko eben. Natürlich war es ein Fehler, nicht doch Zwischensicherungen zu legen, bloß weil ich dabei hätte nass werden können…

    Ich fände es eben schön, wenn wir auch künftig noch hier zu Hause auf der ganzen Breite der Palette tanzen zu können und uns auch für wildes Hochgebirge vorbereiten können. Und wie Carsten Hintz richtig sagt: wenn Bohrhaken stecken, dann werden keine Keile mehr mitgenommen. Und schon gar nicht das Legen geübt. Es ist eben eine zusätzliche Disziplin und sie nicht zu beherrschen ein Handicap. Selbstverschuldet. Wer nur mit Bohrhaken klettern mag, der verzichtet schon von vornherein auf eine Menge Ziele.

    Erhaltet die Vielfalt!

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