Der Südliche Selter wurde Anfang April zum Naturschutzgebiet „Selterklippen“ (NSG BR 137) ausgewiesen. Die Verordnung trat am 02. April 2009 in Kraft. Das NSG umfasst alle Felsen der Erzhausener Klippen, der Esbecker Klippen und der Südlichen Fredener Klippen. Vom Schutzgebiet ausgenommen ist nur der Fredener Steinbruch.
Beim NLWKN bzw. unter www.naturschutzgebiete.niedersachsen.de finden sich alle amtlichen Informationen zum Naturschutzgebiet Selterklippen (Übersicht, Steckbrief, Verordnungstext, Verordnungskarte). Verordnungstext und -karten stellen wir Euch hier zum Download zur Verfügung:
In der Detailkarte sind die zum Klettern freigestellten Hangabschnitte dargestellt. Von daher darf nur noch in 3 Bereichen geklettert werden. Die Kletterbereiche und die darin enthaltenen, zum Klettern offenen Felsen sind der nachfolgenden Tabelle zu entnehmen:
Innerhalb dieser 3 Bereiche werden weitere Kletterverbote für einzelne Routen bzw. Teilbereiche der vorgenannten Felsen gelten. Diese Detailregelungen wurden bei Ortsbegehungen mit den Fachbehörden bereits festgelegt. Für die Kletterbereiche ist eine Vereinbarung mit den Fachbehörden (NLWKN, Landkreis Hildesheim, Landkreis Northeim) in Vorbereitung, in der die Zugangs- und Kletter- und sonstigen Regelungen schriftlich und mit Topos fixiert sein werden. Entsprechende Infotafeln sind ebenfalls in Vorbereitung.
Info zum Ausweisungsverfahren und Bilanz
Die in der Verordnung festgeschriebenen Kletterbereiche sind das Resultat eines mehr als unbefriedigenden und überaus aufwändigen Verhandlungsmarathons, der sich über 2,5 Jahre hinzog. Mehrmals wurden wir (DAV und IG) mit Festsetzungen und Änderungen konfrontiert und somit zwischenzeitliche Absprachen ad absurdum geführt. Selbst Interventionen auf politischer Ebene konnten daran nichts ändern. Ein darüber hinaus von uns in Auftrag gegebenes vegetationskundliches Gutachten fand keine Berücksichtigung. Es sorgte aber immerhin dafür, dass zwischenzeitlich vorgesehene Verschlechterungen zurückgenommen wurden und zudem ein guter gegen einen unlohnenden Felsen getauscht werden konnte.
Über nähere Details zum Verfahrensverlauf haben wir Euch bereits im Klemmkeil 1/2008 und 2/2008 (IG-Nachrichten) informiert und das drohende Ungemach auf unserer Außerordentlichen Mitgliederversammlung im Oktober 2008 sowie auf der ursprünglich als Mitgliederversammlung geplanten Infoveranstaltung am 18. April 2009 ausführlich dargelegt und diskutiert. Das nun rechtskräftige Resultat ist jedenfalls überaus bitter. Von ehemals 75 bekletterten Felsen sind lediglich noch 20 übrig.
Als im wesentlichen ursächlich für den Verlauf und den Ausgang des Verfahrens ist der Widerstand der Waldeigentümer gegen jegliches Klettern im Selter anzusehen. Denn eines ist sicher, würden die Felsen auf Landesflächen liegen, so wäre eine erheblich bessere Regelung zustande gekommen. Allerdings ist die Angelegenheit noch längst nicht zu Ende, denn zumindest ein Teil der Waldeigentümer verfolgt weiterhin das Ziel eines vollständigen Kletterverbotes und beabsichtigt ein Normenkontrollverfahren gegen die Verordnung. Der damit betraute Anwalt war zur Akteneinsicht bereits beim NLWKN. Darüber hinaus haben die Eigentümer sowohl uns als auch den Behörden gegenüber mehrfach angekündigt, dass sie an den Fredener Klippen sämtliche Haken entfernen lassen wollen.
Bis zum 31. März sind die Felsen Kullerkopf bis Grüner Turm für das Klettern gesperrt.
Der Bereich ist mit Absperrung versehen und entsprechende Infos sind am Zeltplatz ausgehängt. Nach erfolgter Wahl des Brutplatzes wird die Sperrung Anfang April auf den näheren Brutbereich reduziert.
Kanstein
Die Felsen Sachsenkopf bis Mittagsfels sind bis mindestens 15. Juli für das Klettern gesperrt.
Die Felsen sind abgesperrt. Auf die Sperrung wird von der Naturschutzbehörde in den kommenden Tagen zusätzlich per Schild hingewiesen.
Zur Ruhigstellung des Brutplatzes und der Rupfplätze wurde letztes Jahr (2008) der Aufstieg hinter der Liebesnadel zurückgebaut und ein neuer Aufstieg zum oberen Forstweg zwischen Rauhe Wand und Gran Odla angelegt. Zudem wurde der vom oberen Forstweg zum Mittagsfels hinunterführende Zugang zurückgebaut. Der Mittagsfels soll und darf nur noch vom unteren Forstweg aus angegangen werden – selbstverständlich erst nach Aufhebung der Sperrung.
Die durchgeführten Maßnahmen und getroffenen Regelungen waren und sind notwendig, da letztes Jahr wiederholte Störungen durch Wanderer zur Aufgabe der Brut geführt hatten.
Die Absperrungen sind auf jeden Fall zu beachten, auch wenn das genannte Datum überschritten ist. Änderungen und Abbau der Absperrungen erfolgen allein durch uns, die Naturschutzbehörde oder einen der ehrenamtlichen Betreuer.
Haltet Euch bitte konsequent an die Sperrungen und weist andere ggfs. darauf hin. Die Staatliche Vogelschutzwarte Niedersachsen freut sich auf positive Meldungen hinsichtlich erfolgreicher Bruten.
Den aktuellen Stand der Sperrungen findet Ihr hier bei uns: Vogelschutz
Diverse Stürme hatten im vergangenen Jahr einige Bäume umgeworfen oder in eine erhebliche Schieflage gebracht, so dass sie bedrohlich über und sogar in den Felswänden hingen. Das Klettern im Steinbruch war daher nicht ganz ungefährlich und die Begehung einiger Routen deutlich behindert. Der zuständige Revierförster hat diesem Zustand nun ein Ende bereitet und mit seinen Mitarbeitern am Samstag den 28.02.2009 im Steinbruch eine Hauungsmaßnahme durchgeführt.
Neben den hängenden Bäumen wurden auch einige gefällt, welche die Wand stark beschatteten, so dass der Fels jetzt schneller abtrocknen wird. Der Steinbruch ist somit für das Klettern noch attraktiver geworden. Allerdings liegt dort zur Zeit noch eine Menge Holz herum, das in den kommenden Tagen und Wochen abgeholt wird, so dass zum jahreszeitlichen Beginn der Klettersaison weitgehend „Klar Schiff“ sein dürfte.
Die Maßnahme wurde in Kooperation und Anwesenheit unseres Gebietsbetreuer (Sven Frings) durchgeführt. Die Kosten teilen sich Forstamt und IG Klettern, wobei das Forstamt den grösseren Part übernommen hat.
Damit unsere Kasse im Hinblick auf die in diesem Jahr anstehenden Projekte nicht all zu sehr belastet wird, haben das RoXx-Kletterzentrum und das Bergsportgeschäft Bergwelt Initiative ergriffen und in ihren Geschäftsräumen eine Spendendose aufgestellt. Sie hoffen dadurch einen Teil der Kosten an uns zurückführen zu können.
Besten Dank ans Forstamt Reinhausen und Revierförster Kreysern sowie an Sven vom RoXx und Alex von Bergwelt.
Aufgrund verschiedener Anfragen (u.a. in unserem Forum) zu Medienberichten über einen „Ith-Tunnel“ nachfolgend die wesentlichen Informationen über die aktuellen niedersächsischen Verkehrsprojekte, welche die Erreichbarkeit von Klettergebieten oder diese womöglich sogar unmittelbar betreffen:
1. Ith-Tunnel (B 240)
Der Ith-Tunnel ist ein im Kreis Holzminden lang gehegter Traum. Die Gründe dafür liegen auf der Hand: Die allgemein schlechte Verkehrsanbindung des Landkreises, welche weitreichende, negative Konsequenzen für Wirtschaft und Unternehmen sowie die touristische Attraktivität hat. Hinsichtlich der verkehrlichen Anbindung rangiert der Kreis Holzminden mittlerweile an letzter Stelle – bundesweit. Des Weiteren sind die Ortschaften, durch die die Bundesstrasse 240 führt vom permanenten Durchfahrtsverkehr erheblich betroffen, so dass zwischen Holzminden und Elze mittlerweile 3 Bürgerinitiativen für Ortsumgehungen und Verbesserung der verkehrlichen Infrastruktur kämpfen.
Der Straßentunnel durch den Ith ist also nur ein Baustein in der angestrebten Verbesserung der Verkehrsanbindung. Übrigens legten in 2002 zwei Studenten des Fachbereichs Bauingenieurwesen der Fachhochschule Holzminden eine viel beachtete Diplomarbeit vor, die belegt, dass die Ith-Untertunnelung kein Traum bleiben muss, sondern realisierbar ist.
Das Ganze ist aber nicht einfach, denn zum einen handelt es sich um eine Bundesstrasse und für eine solche ist – wie der Name schon sagt – der Bund zuständig, der die Baukosten trägt. Zum anderen sind auch die Planungskosten für solche Projekte nicht gerade niedrig und diese müssen vom jeweiligen Kreis und dem Land Niedersachsen aufgebracht werden. Zum Dritten ist das Verfahren, von den ersten Planungen bis hin zur Realisierung überaus aufwändig und zeitintensiv. Nähere Information zum Verfahrensablauf bei www.strassenbau.niedersachsen.de.
Im Rahmen des Konjunkturpaketes II hat die Landesregierung Niedersachsen nun ein Aufstockungsprogramm für diverse (Leuchtturm-)Projekte in Höhe von 163,5 mio EUR aufgestellt und das Kabinett am 3. März über die Verteilung der landesweiten Konjunkturmittel entschieden. Unter diesen Projekten ist auch der Ith-Tunnel, für dessen Planungen 5 mio EUR bereitgestellt wurden. Die Landkreise HOL und HI müssen weitere 1,5 mio EUR selbst aufbringen.
Bis mit dem Bau der Maßnahme begonnen wird dürfte noch einige Zeit ins Land gehen. Für uns Kletterer und auch die Natur wäre der Ith-Tunnel positiv. Sorgt er doch für eine erhebliche akustische Beruhigung. Die heutige Überquerungsstraße würde zur Nebenstrecke werden und der Erholungswert steigen, denn der Tunnel würde unten am Waldrand in den Berg hinein und zwischen Capellenhagen und Fölziehausen wieder herausführen. Alternativ zum Tunnel wurde auch ein Ausbau der Ith-Überquerung diskutiert, dem aber wohl das FFH-Gebiet Ith und das frisch ausgewiesene Naturschutzgebiet Ith einen Strich durch die Rechnung machen dürfte, weil dann wegen zahlreicher Auflagen ungenügenden Kompromisse gemacht werden müssten oder das Ganze – aufgrund der damit verbundenen Eingriffe – gar nicht genehmigungsfähig wäre. Davon abgesehen, würde der Ausbau der bestehenden Straße nur eine geringfügige Verbesserung mit sich bringen, da wegen der Steilheit des Hanges nicht auf Serpentinen verzichtet werden könnte und im Winter die Straßenverhältnisse das Vorankommen wie gehabt erschweren.
2. Ortsumgehung Marienhagen (B 240)
Bereits im Februar 2009 sind in dem von der Landesregierung beschlossenen Nachtragshaushalt zusätzliche Mittel für einen beschleunigten Ausbau der vordringlichsten Projekte im Bereich der Bundesfernstraßen bereitgestellt worden, darunter Mittel für die konkreten Planungen der Ortsumgehung Marienhagen im Zuge der B 240.
Von dieser Umgehung könnte der Klettersport unmittelbar betroffen sein. Es hängt nur davon ab, welche der beiden Varianten zur Ausführung kommt, die nördliche oder die südliche Umgehung. Bei der nördlichen Umgehungsvariante ist nicht auszuschließen, dass der einzige „Techno-Steinbruch“ im Weser-Leine-Bergland seine Existenz einbüsst. „Ein Kampf um Rom“ wäre dann auch aus klettersportlicher Sicht Geschichte. Allerdings hat sich vor einigen Jahren das Rechnungsprüfungsamt gegen diese favorisierte Umgehungsvariante ausgesprochen.
3. Sonstige Verkehrsprojekte
Weserbergland
Ortsumgehung Coppenbrügge/Marienau (B 1): Nördliche Umfahrung der beiden Ortslagen
Nordostumgehung Eschershausen (B 240)
Ortsdurchfahrt Halle (B 240)
Südharz
Verlegung der B 243 zwischen Bad Lauterberg und Landesgrenze Thüringen (Ortsumgehung Barbis, Bartolfelde und Osterhagen)
Göttinger Wald
Ortsumgehung Waake (B 27): Nördliche Umfahrung der Ortslage
Für die Dauer der Baumaßnahmen sind also gewisse Verzögerungen bei der Anfahrt zu den Klettergebieten einzuplanen, dafür geht es nach Abschluss derselben um so schneller.
Recherchen zum Thema „Ith-Tunnel“ bzw. den Ausbau der B 240 lassen sich mit eben diesen Stichworten trefflich im Online-Archiv des Täglichen Anzeiger Holzminden durchführen.
Und noch ein kleines Schmankerl zum Schluss: Zu den Leuchtturm-Projekten Niedersachsens gehört auch der Ausbau der Harzer Schmalspurbahn vom Brocken nach Braunlage. Wenn es denn was wird, könnte man zukünftig per Dampflokbahn vom Wurmberg-Steinbruch zu den Schierker Feuersteinen fahren, oder umgekehrt, mit Zwischenstopp auf dem höchsten Berg des Harzes. Na, wenn das nichts ist.